2025
Stadt St. Georgen im Schwarzwald
07/2017 - 03/2024
6.000 m²
Der Marktplatz in St. Georgen entstand Ende der 1970er Jahre. Mit dem ersten Preis beim Städtebaulichen Ideenwettbewerb Stadtkern 2020/2025 im Jahr 2014 wurde die Grundlage für die Weiterentwicklung des Stadtzentrums geschaffen. Ziel war es, eine klar erkennbare Stadtmitte und einen unverwechselbaren, vielfältig nutzbaren Ort zum Treffen, Verweilen und für Veranstaltungen zu entwickeln. Die bestehende städtebauliche Situation wurde aufgegriffen und zu einem offenen Stadtplatz mit zeitgemäßer Aufenthalts- und Nutzungsqualität weiterentwickelt. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Neuordnung der Verkehrsführung. Die Tiefgarage wurde erweitert und ihre Zufahrt an die Gewerbehallenstraße verlegt. Dadurch wird die Gerwigstraße vom Durchgangsverkehr entlastet und die Fußgängerbereiche können aufgewertet werden. Der bestehende Gebäudebestand wird durch Sanierung, Umnutzung und gezielte Anpassungen weiterentwickelt.
Das Rathaus bleibt als städtebauliche Landmarke erhalten und bildet weiterhin den Mittelpunkt des Stadtzentrums. Das Gebäude Marktplatz 1 wurde rückgebaut und durch ein Baumdach ersetzt. Auch das Haus Schulstraße 2–4, das sogenannte „Torwarthaus“, wurde zugunsten der Verbindung zur Stadtterrasse zurückgebaut. Auf dieser Grundlage konnte der 1. Bauabschnitt des Marktplatzes realisiert werden. Der Marktplatz rückt an die Bahnhofstraße, erhält dadurch eine klare Adresse und wird im Stadtraum besser auffindbar. Ergänzt wird diese neue Adresse durch die zentrale Tiefgarageneinfahrt an der Gewerbehallenstraße. Klare Sichtbeziehungen, großzügige Platzflächen und unterschiedliche Aufenthaltsbereiche verbinden die Freiräume zu einem zusammenhängenden und attraktiven Stadtraum.
Der gesamte Marktplatz wurde bis auf die Decke der Tiefgarage und die Außenwände der angrenzenden Gebäude zurückgebaut und die Tiefgarage wurde saniert. Der Platz wird als großzügiger, zusammenhängender Raum ausgebildet und bleibt für Veranstaltungen, Feste und Märkte nutzbar. Ein prägendes Gestaltungselement ist das großflächige Platzfeld aus Ortbetonflächen, aus deren polygonaler Geometrie integrierte Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten entstehen. Eine intensive Begrünung mit mehrstämmigen Eisenholzbäumen ergänzt die Platzgestaltung und schafft schattige Aufenthaltsbereiche. Ein Rahmen aus Naturstein fasst das Platzfeld und setzt sich von der Gewerbehallenstraße bis zur Bahnhofstraße fort. Als eigenständiger Belag wird ein grau-rötlicher Naturstein eingesetzt, dessen Farbigkeit sich an den heimischen Graniten orientiert. Die einheitliche Materialwahl verbindet die einzelnen Bereiche, fasst den Platz räumlich und schafft eine robuste und zugleich hochwertige Gestaltung.
Die schmale Gasse zu den öffentlichen Toiletten wird durch eine großzügige Treppen- und Sitzstufenanlage aufgewertet. Die Stufenanlage verbindet die Ebene des Marktplatzes mit der Ebene des Untergeschosses des Phonomuseums und stärkt zugleich die im Stadtgrundriss angelegte Verbindung zwischen den Gebäuden Hauptstraße 5 und Am Markt 3. Ergänzt wird der Bereich durch Bäume in Pflanzgefäßen entlang der Süd- und Ostseite sowie durch Wassertische, deren Wassergeräusche den Aufenthaltsbereich zusätzlich beleben.
Für die geschlossenen Fassadenbereiche im Rampen- und Zufahrtsbereich der Tiefgarage wurde ein Begrünungskonzept entwickelt. Ebenfalls der Aufzugsturm des Gebäudes Markt 5 wurden begrünt. Das Begrünungssystem wird im teilweisen gewachsenen Boden gegründet. Die Wasserversorgung der begrünten Fassaden, Pflanzflächen und Bäume erfolgt mit Regenwasser aus einer Zisterne mit einer entsprechenden Nachspeisung aus dem Trinkwassernetz. Beide Systeme ersparen den aufwändigen Personaleinsatz, der durch manuelle Bewässerung entsteht.
Die Fußgänger:innen werden zum Hauptausgang am Marktplatz im Süden, zum Ausgang „Post“ oder zum Ausgang „Oberer Rathausplatz“ geleitet. Die Ein- und Ausgänge sind durch Glaskuben auf den Plätzen deutlich auffindbar. Vor dem Postgebäude werden Licht- und Lüftungsöffnungen neu geordnet und in großzügige Baum- und Sitzinseln integriert, wodurch ein offener und einladender Platzbereich entsteht.
Das Glockenspiel bleibt an seinem bisherigen Standort und bildet weiterhin einen gestalterischen Schwerpunkt des Platzes. Die Beleuchtung erfolgt durch wenige, gezielt gesetzte Leuchtmasten. Die Tiefgaragenrampe und -zugänge werden entsprechend den erforderlichen Anforderungen hell ausgeleuchtet. Ergänzend sorgen Lichtbänder und Bodenstrahler für eine stimmungsvolle Abend- und Nachtbeleuchtung, die Bäume, Möblierung und weitere Platzbereiche akzentuiert. Für die Weihnachtszeit können die Bäume über die vorhandenen Versorgungspunkte für Märkte und Veranstaltungen beleuchtet werden.